Ghalia's Geschichte: Die Bildung, für die sie gekämpft hat – und warum sie so wichtig ist
Mein Name ist Ghalia und ich bin 32 Jahre alt. Vor 2014 lebte ich mit meiner Familie in Al-Qahtaniya, wo das Leben friedlich war – Nachbarn halfen Nachbarn, alle waren Teil einer Gemeinschaft. Ich wuchs in einer armen jesidischen Familie mit neun Kindern auf und half schon von klein auf bei der Landwirtschaft, anstatt zur Schule zu gehen. Trotzdem war ich entschlossen, etwas zu lernen. Ich glaubte, dass Bildung der einzige Weg war, mein Leben zu verbessern.
2014 griff der sogennante Islamische Staat (IS) Sindschar an. Meine Familie wurde zusammen mit vielen anderen jesidischen Familien drei Tage lang im Dorf Wardiya belagert. Wir flohen heimlich in der Nacht und wanderten zu Fuß zum Berg Sindschar, wo wir fünf Tage lang mit kaum genug Essen und Wasser ausharrten. Von dort aus wanderten wir nach Syrien und schließlich in die Region Kurdistan.
Das Leben in den Geflüchtetenlagern war extrem schwierig, und ich war gezwungen, meinen Bildungsweg erneut aufzugeben, um zu arbeiten und meine Familie zu unterstützen. Aber ich weigerte mich aufzugeben. Ich hatte bereits den Bombenanschlag von Al-Qahtaniya 2007 überlebt, bei dem viele meiner Verwandten ums Leben kamen. Selbst damals sagte ich mir, dass ich weitermachen musste. Ich kehrte zur Schule zurück, arbeitete in den Ferien und half meinen Geschwistern, damit auch sie ihre Ausbildung fortsetzen konnten.
Während ich mich auf meine Abschlussprüfungen an der High School vorbereitete, wurde meine Mutter schwer krank. Ich lernte und weinte gleichzeitig. Dennoch hatte ich Erfolg und wurde am Technischen Institut in der Fakultät für medizinische Laboranalyse angenommen. Meine Mutter starb vor meinem Abschluss an Krebs, aber mein Studium zu beenden war eine Möglichkeit, ihr Ehre zu erweisen – ein Beweis dafür, dass Schwierigkeiten nicht meine Zukunft bestimmen würden. Nach meiner Rückkehr nach Sindschar begann ich, bei zivilgesellschaftlichen Organisationen und später im Krankenhaus von Sindschar zu arbeiten.
Ich habe mich für das Global English Language Program von Jesuit Worldwide Learning (JWL) im NI Women’s Center entschieden, weil ich mich weiterentwickeln und neue Türen öffnen wollte. Der Zeitplan passte mir gut, das Programm war kostenlos und die Lehrkräfte sind erfahren und genießen großes Ansehen. Das hat wirklich etwas bewirkt. Mein Alltag hat sich verändert, und ich nehme jetzt an sinnvollen Diskussionen mit Lehrenden und Klassenkameraden teil, die mir mehr Bewusstsein, Selbstvertrauen und Motivation geben. Das Programm hat mir geholfen, mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken – und an meine eigenen Fähigkeiten zu glauben. Ich habe auch angefangen, meinen beiden Neffen englische Wörter und einfache Sätze beizubringen und ihnen so weiterzugeben, was ich gelernt habe.
Sindschar braucht nach wie vor starke, nachhaltige Unterstützung – in den Bereichen Grundversorgung, Bildung, Gesundheitswesen und wirtschaftliche Entwicklung. Ich hoffe, dass es wieder sicher wird, ein Ort, an dem verschiedene Kulturen und Religionen friedlich zusammenleben. Mein Traum ist es, Gerechtigkeit zu erreichen und diejenigen zu schützen, die unterdrückt werden. Ich glaube, dass die Menschen in Sindschar mit Bildung, Stabilität und kontinuierlicher Unterstützung ihr Leben wieder aufbauen und eine bessere Zukunft für die nächste Generation schaffen können.