Das Versprechen erneuern: Nadia Murad würdigt den 75. Jahrestag der Flüchtlingskonvention in Genf
75 Jahre nach der Unterzeichnung der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, hielt Nadia Murad eine Rede bei einer Gedenkveranstaltung im Palais des Nations in Genf. Sie forderte die internationale Gemeinschaft auf, das zentrale Versprechen der Konvention zu bekräftigen: dass Menschen, die vor Verfolgung, Konflikten oder Gewalt fliehen müssen, Sicherheit und Schutz finden können.
Die Konvention, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen wurde, schuf einen wegweisenden Rahmen für den Schutz von Geflüchteten. Dennoch waren Ende 2025 weltweit schätzungsweise 117,8 Millionen Menschen weiterhin gewaltsam vertrieben. Für Nadia ist diese Krise kein abstraktes Thema. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Angriff des sogenannten Islamischen Staates auf die jesidische Gemeinschaft sind viele Familien nach wie vor auf der Flucht, während die Bemühungen zum Wiederaufbau von Sindschar weiterhin viel zu wenig Unterstützung erhalten.
Ausgehend von den Erfahrungen ihrer Gemeinschaft forderte Nadia die führenden Politikerinnen und Politiker weltweit auf, internationale Verpflichtungen in Taten umzusetzen:
„Wir sind keine arme Welt. Wir sind eine abgelenkte Welt.
Die Ressourcen sind vorhanden, um den Schwächsten zu helfen. Die Ressourcen sind vorhanden, um Millionen von Menschen zu helfen, nach Hause zurückzukehren – um die Schulen, die Bauernhöfe und die Kliniken wieder aufzubauen –, so wie meine Gemeinschaft darum kämpft, Sindschar wieder aufzubauen, Haus für Haus, mit viel zu wenig Unterstützung. Und wo eine Rückkehr nach Hause unmöglich ist, sind die Ressourcen vorhanden, um echte Wege in eine echte Zukunft an einem neuen Ort zu eröffnen.
Der Welt fehlen nicht die Mittel, um Vertreibung zu beenden. Es fehlt ihr an der Bereitschaft dazu.“
Die Gedenkfeier markierte auch den Start von „The Promise“, einer globalen Solidaritätserklärung mit Gelcühteten. Nadia schloss sich als eine der ersten 75 Unterzeichnerinnen an und bekräftigte damit die Notwendigkeit, das Recht auf die Suche nach Sicherheit zu schützen, Geflüchtete in Gesellschaften zu integrieren, von Beginn der Vertreibung an dauerhafte Lösungen anzustreben und sicherzustellen, dass jede Person ihren Anteil dazu leisten kann.
Nadias Initiative schließt sich dem UNHCR an und fordert Regierungen und internationale Institutionen nachdrücklich auf, das vor 75 Jahren in Genf gegebene Versprechen einzuhalten. Für die jesidische Gemeinschaft und Millionen anderer von Vertreibung betroffener Menschen erfordert die Einhaltung dieses Versprechens mehr als nur das Gedenken. Es erfordert die Entscheidung zum Handeln.