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Am 1. und 2. Oktober kamen in Sindschar mehrere jesidische Familien zusammen, um von ihren Angehörigen Abschied zu nehmen, die aus dem Massengrab von Sharaf al-Din geborgen worden waren. Auch Nadia kehrte nach Sindschar zurück und verabschiedete sich von ihrem Bruder Heji, der unter den identifizierten Opfern war. Gemeinsam mit den anderen Getöteten wurde er in einer würdevollen Zeremonie beigesetzt.
Für die Angehörigen bedeutet das, nach zwölf Jahren der Ungewissheit endlich zur Ruhe zu kommen und Abschied nehmen zu können.
Am 20. September 2026 hat das irakische Nationalteam für die Ausgrabung von Massengräbern eine neue Runde von Exhumierungen in Sindschar begonnen. Die Arbeiten finden derzeit am Massengrab von Sharaf al-Din statt und werden 20 Tage andauern.
Nadia’s Initiative arbeitet eng mit der Directorate for the Protection of Mass Graves and Missing Persons und dem Feldteam zusammen, um diese Runde der Exhumierungen zu unterstützen. Für Überlebende bedeutet Gerechtigkeit auch, die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen zurückzubekommen. Mit jeder Identifizierung erhält eine Familie einen Namen zurück. Zwölf Jahre nach Beginn des Völkermords warten noch immer viele Familien.
Nadia Murads zweites Buch, I Choose My Beginning: A Story of Courage and Activism, ist am 15. September erschienen. Es wurde vom Summit Books Verlag veröffentlicht und beginnt mit einem Vorwort von Gloria Steinem.
Ich bin eure Stimme erzählte die Geschichte dessen, was der IS Nadia, ihrer Familie und der jesidischen Gemeinschaft im Jahr 2014 angetan hat. I Choose My Beginning knüpft dort an, wo das erste Buch endete, und zeichnet Nadias Weg in den vergangenen zehn Jahren nach. Es waren Jahre, in denen sie in den Fluren internationaler Institutionen und in Gerichtssälen Gerechtigkeit für Überlebende einforderte – und zugleich Jahre, in denen sie lernte, eine Studentin, eine Freundin und eine Ehefrau zu sein. Das Buch vereint diese beiden Lebenswelten und trägt die Erinnerung an diejenigen, die sie verloren hat, sowie an diejenigen, die überlebt haben, in beide hinein.
75 Jahre nach der Unterzeichnung der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, hielt Nadia Murad eine Rede bei einer Gedenkveranstaltung im Palais des Nations in Genf. Sie forderte die internationale Gemeinschaft auf, das zentrale Versprechen der Konvention zu bekräftigen: dass Menschen, die vor Verfolgung, Konflikten oder Gewalt fliehen müssen, Sicherheit und Schutz finden können.
Anlässlich des 12. Jahrestags des Völkermords an den Jesiden luden „Nadia’s Initiative“ und die Ständige Vertretung Frankreichs bei den Vereinten Nationen in Genf am 30. Juli Überlebende, Mitgliedstaaten, UN-Vertreter und internationale Organisationen zu einer Gedenkveranstaltung im Palais des Nations ein.
Am Montag hat Deutschland erneut seine internationale Führungsrolle bei der strafrechtlichen Verfolgung schwerster Völkerrechtsverbrechen auf Grundlage des Weltrechtsprinzips unter Beweis gestellt. Twana H.S. und Asia R.A. wurden wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen sowie weiterer Verbrechen gegen zwei junge jesidische Mädchen verurteilt. verurteilt.
Dieses Urteil ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu Gerechtigkeit für die Verbrechen, die an der jesidischen Gemeinschaft begangen wurden. Möglich wurde dieses Verfahren nur durch den außergewöhnlichen Mut der Überlebenden, die vor Gericht aussagten und dabei unvorstellbare Traumata erneut durchleben mussten. Nadia's Initiative würdigt ihre Stärke und Entschlossenheit. Ihre Aussagen waren entscheidend dafür, dass diese Verbrechen anerkannt, dokumentiert und strafrechtlich verfolgt werden konnten.