Ghazal ehren: Ein Schritt in Richtung Gerechtigkeit und Würde

Nach über einem Jahr engagierter Arbeit hat Nadia’s Initiative die notwendigen Genehmigungen erhalten, um die sterblichen Überreste von Ghazal Adi Khalaf zu exhumieren – einer jesidischen Frau aus dem Dorf Hardan, die in der Gefangenschaft des IS ums Leben kam.

Ghazals Geschichte ist von tiefer Tragik und außergewöhnlichem Mut geprägt. Im Jahr 2014, während des Völkermords an den Jesiden, wurde sie verschleppt und vom IS in das Dorf Qazel Qaio bei Tal Afar gebracht. In der Nacht des 22. Dezember 2014 unternahm sie einen waghalsigen Fluchtversuch. Sie sammelte all ihre Kraft, um sich zu befreien – doch Erschöpfung und die bitterkalte Winterluft setzten ihrer Flucht bei Sharaia, im Bezirk Tal Afar, ein tragisches Ende. Anwohner des nahegelegenen Dorfes begruben sie an dem Ort, an dem sie zusammenbrach – ohne Grabstein. Im Laufe der Zeit geriet ihre letzte Ruhestätte in Vergessenheit.

In diesem Jahr wurden Ghazals Überreste nach sieben Stunden sorgfältiger Ausgrabung gefunden und geborgen. Sie wurden zur Rechtsmedizinischen Direktion des Irak überführt, um per DNA-Analyse identifiziert zu werden. Nun kann ihre Familie sie endlich mit Würde beerdigen – so, wie es ihr so lange verwehrt blieb.

Warum das wichtig ist

Solche Exhumierungen bedeuten weit mehr als nur einen längst überfälligen Abschluss für die Angehörigen. Sie stehen für Wahrheit, Gerechtigkeit und Gedenken. Jede Bergung stellt die Menschlichkeit jener wieder her, die der IS auslöschen wollte – und sie bekräftigt gegenüber den Familien und der Geschichte, dass ihr Leben und ihr Leid nicht vergessen werden.

Nadia’s Initiative bleibt entschlossen, Überlebende und die Familien der Opfer mit Anerkennung, Würde und Gerechtigkeit zu ehren. Ghazals Geschichte ist ein bewegendes Zeugnis für die Widerstandskraft der jesidischen Gemeinschaft – und ein eindringlicher Beweis dafür, warum diese Arbeit weitergehen muss.



Flora HAPKEMEYER